Assou(f)zial!
Tishoumaren, der Wüstenblues der Tuareg, trifft Madlib-style Boom-Bap. Ein Konzeptalbum über Assouf („the pain that is not physical"): 11 Tracks, gut 23 Minuten, entstanden als kreatives Ventil nach einem Malta-Urlaub.

Das Albumcover
Assouf
Assouf ist das Wort der Tuareg für die Sehnsucht nach der offenen Wüste: Heimweh, Einsamkeit und Weite in einem Begriff. Dieses Album überträgt das Gefühl auf meine unmittelbare Umgebung. Die einsame Weite der Wüste ist hier die Reizüberflutung der modernen Stadt, und der Rückzugsort ist das, was schon immer da war: das Erleben von Natur.
Die Idee
Die Inspiration war ein Song von Tinariwen: hypnotisch, psychedelisch, traurig und trotzdem hoffnungsvoll. In diese Richtung wollte ich ein ganzes Album, und zwar als Verschmelzung zweier Welten, die auf dem Papier nicht zusammengehören: die kreisenden, tranceartigen Gitarren des Tishoumaren über staubigen Hip-Hop-Beats.
Ich habe mir vorab ein Manifest geschrieben. Tishoumaren, der Wüstenblues der Tuareg, lebt von kreisenden, hypnotischen Gitarrenfiguren, die sich wiederholen, bis sie tragen. Boom-Bap ist sein Gegenstück aus dem New York der 90er: staubige, gesampelte Drums, die ziehen und stolpern, statt auf dem Metronom zu sitzen. Harmonisch lebt das Album im dorischen Modus, einer Tonleiter mit eingebautem Zwiespalt: Ihre kleine Terz trägt die Schwere des Assouf, ihre große Sexte öffnet die Stücke ins Hoffnungsvolle, meist als karger Wechsel zwischen zwei Akkorden. Gesungen wird auf Arabisch und Tamazight, gesprochen auf Deutsch.
Die Platte
Vier Stücke sind direkt hier abspielbar, das ganze Album liegt auf SoundCloud. Aufklappen zeigt zu jedem Stück, wie es entstanden ist.
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Mein Startpunkt: eigene Voice-Memos über einem hypnotischen Wah-Wah-Loop. Etabliert das Leitmotiv des Albums, ein endloses Laufen durch die Stadt, verarbeitet als Wüsten-Blues.
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02 Weite (Vastness)Boom-Bap, staubige Breakbeats, arabischer Rap 1:17
Sample-basierter Boom-Bap: Aus einem älteren Tishoumaren-Entwurf habe ich die Instrumente isoliert und neu gepitcht. Die arabischen Lyrics handeln von der Melancholie des Moments, in dem die Vögel bei Sonnenuntergang verstummen. Das Sample dahinter, „Vastness", lässt sich unten am Mischpult in seine Spuren zerlegen.
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Ein Navigationssystem scheitert an einer Düne und schaltet in den Assouf-Modus. Die Stimme kommt aus einem TTS-Werkzeug.
„In zweihundert Metern bitte wenden. Die Route führt über eine nicht asphaltierte... Düne?"
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04 Assou(f)zial!Boom-Bap, Hip-Hop, 90s Old-School 2:57
Der Titeltrack, das Wortspiel aus asozial und Assouf: harter 90er-Deutschrap über einer gesampelten Tuareg-Melodie, eine raue Abrechnung mit urbaner Heuchelei. Der Ton ist deutlich derber als der Rest des Albums; wer das Original hören will, drückt oben auf Play.
„Ich war wohl weg, wach plötzlich auf,
Regen, Sonne, Hagel, Regen, Schluchten aus Grau(‚Ähm … Regen sagtest du schon …')April macht was er will, doch es ist März, du Hu***sohn." -
Direkte Fortsetzung des Yoga-Retreats aus Track 4: Eine Meditationsstimme konfrontiert den fiktiven „Maximilian" mit seinem inneren Hunger.
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06 Spazieren aber highPost-Punk, Electronic, Desert Blues 2:12
Elektronischer Post-Punk-Blues. Meine Vocals fließen stoisch zum Rhythmus eines ewigen Spaziergangs durch urbane Häuserschluchten.
„Ich trage die Stille der Düne mitten im Rauschen des grauen Stroms."
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Vogelgezwitscher als zentrales Motiv, geloopt über einem staubigen, asymmetrischen Hip-Hop-Beat und eigenen Spoken-Word-Elementen.
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Tamazight für „Blume der Wildnis". Der hellste Moment des Albums: rasanter Rhythmus, getrieben von Kalabash-Percussion und ineinandergreifenden akustischen Gitarren.
ⴰⵊⴷⴷⵉⴳ ⵏ ⵓⵣⴰⵖⴰⵔ · die Blume der Wildnis
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09 Riyah al-AssoufDesert Blues, hypnotische Gitarren, 1980s 3:27
Bedeutet „Winde der Weite": ein klassischer Desert-Rock-Ansatz mit arabischen Vocals, zwei ineinandergreifende Gitarren über einem pulsierenden Basston.
„Unter dem weiten Himmel gehen wir durch den Sand." (aus dem arabischen Refrain)
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Zwischen rhythmischem Rock kündigt sich ein aufziehender Sturm an, ich rufe meine Kater Oskar und Marzipan rein.
„Der Asphalt ist dünn hier. Unter dem Pflaster liegt kein Sand – sondern die Unendlichkeit."
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Die Bonus-Variante von „Weite": beschleunigt, akustisch, mit Handclaps und Falsett-Ad-libs. Aus der Melancholie des Originals wird ein Tanz.
Am Mischpult
So klingt ein Track, bevor er einer wird: „Vastness" ist der Entwurf, aus dem „Weite" entstand. Beschleunigt und isoliert wurde er zum Sample des Tracks. Hier liegt der Entwurf als vier getrennte Spuren vor, extrahiert mit einem Stem-Splitter.
Vastness (Sample) · 33-Sekunden-Ausschnitt · 4 Stems
Der Ausschnitt läuft als Schleife. Klick auf eine Spur schaltet sie stumm.
Wie es entstand
Das Album ist ein KI-Projekt, und zwar ein transparentes: Der Klang kommt aus Suno 5.5 Pro, Track für Track gesteuert über detaillierte Stil- und Struktur-Prompts. Konzept, Manifest und Texte habe ich mit Gemini 3 Pro als Sparringspartner entwickelt.
Dazwischen lag Handarbeit: eigene Voice-Memos und Vocals, Schnitt und Arrangement in Audacity, Pitch-Änderungen und Modulation mit freien Werkzeugen, die Navi-Stimme aus einem TTS-Tool, die Stems per Stem-Extraktion. Veröffentlicht ist das Ganze auf SoundCloud.